Saturn - der alte Weise

Saturn – der Herr der Zeit

Saturn ist der zweitgrößte Planet in unserem Sonnensystem. Bezeichnend für Saturn ist sein helles, ausladendes, freischwebendes Ringsystem, welche von der Erde aus gesehen in drei Bereiche gegliedert erscheint. Als letzter sichtbarer Planet ist er der „Hüter der Schwelle“. Saturn repräsentiert das Grenzsetzende, das kosmische Gesetzt, was niemand ungestraft übertritt. Er ist der Hüter von Gesetz, Recht und Ordnung und Herrscher des Tierkreiszeichens Steinbock.

Saturn strebt nach Beständigkeit, nach Festhalten des Erreichten und nach Dauer. Er ist aber auch Herr der Zeit, der dafür sorgt, dass alles einmal zu Ende geht. Sein Ziel ist es uns bei der Entwicklung der selbständigen Persönlichkeit und eines gefestigten Selbstvertrauens zu unterstützen. Außerdem hilft er uns unsere tatsächlich vorhandenen Fähigkeiten zu verwirklichen und uns zu unserer wahren Berufung im Leben zu führen.

Saturn in der griechischen Mythologie

In der griechischen Mythologie ist er der Kronos. Er war der Sohn von Uranus und Gaia, von Himmel und Erde. Da Uranus seine Kinder so sehr hasste, dass er sie verbannte, brachte Gaia ihre weiteren Kinder im Geheimen zur Welt. Sie stiftete schließlich Kronos an, den Vater mit einer Sichel zu entmannen, was dieser auch tat. (vgl. dazu auch meinen Artikel „Venus – das Schöne im Leben“)

Kronos nahm später Rhea zur Gattin. Aus Angst, ihm könnte ähnliches angetan werden verschlang Kronos all seine Kinder. Den jüngsten Sohn jedoch, Zeus, versteckte Rhea in einer Höhle, während sie Kronos einen in eine Windel gewickelten Stein überreichte, den dieser verschlang, ohne den Betrug zu bemerken. So konnte Zeus ungestört heranwachsen.

Später gelang es Zeus, seinen Vater mit List und Gewalt zu überwinden, worauf Kronos erst den Stein und dann seine verschlungenen Kinder ausspuckte. Den Stein stellte Zeus an der Kultstätte Pytho (Delphi) auf, damit er dort von den Sterblichen bestaunt werden konnte. Die Weltherrschaft wurde anschließend unter den drei Brüdern Zeus, Hades und Poseidon aufgeteilt. Zeus herrschte auf dem Olymp, Hades in der Unterwelt und Poseidon über die Welt der Meere.

Hüter der Tradition vs. Angst vor Neuem

Die obige Geschichte repräsentiert sehr viel Saturn-Energie. Saturn ist der Hüter von Tradition, Erhalt von Bestehenden und Bewährten. Saturn hat grundsätzlich eine schützende, sichernde Funktion und gibt uns Stabilität und einen Rahmen im Leben der einen gewissen Halt geben kann. Mit dem Ziel der Selbsterhaltung lässt er uns Dauer und Wiederholung von allen Vertrauten und Bekannten anstreben. Saturn verkörpert somit die bewahrende Seite unserer Selbsterhaltungstriebe durch das Festhalten an vertrauten Verhaltensweisen, welche sich bewährt haben.

Dieser vermeintliche Halt und Stabilität im Leben ist aber immer bedroht durch die natürliche Vergänglichkeit und auch durch das Verhalten von Anderen. Saturn ist wie eine Burg, welche uns Sicherheit gibt. Wer aber in einer Festung lebt, sieht in jedem sich von außen Nähernden auch einen potentiellen Feind, welcher die Sicherheit bedroht.

Diese schützende Abgrenzung und Erhalt von Bestehenden wird somit sehr schnell zu einer überwertigen Abwehr und Sicherung aus Angst. Er beharrt auf die Wiederholung von Gelernten und hat damit eine Abwehr gegen alle Veränderung, gegen alles Umlernen und neu Hinzulernen. Dies macht er in der obigen Geschichte damit, dass er seine eigenen Kinder frisst. Diese Schattenseite von Saturn zeigt sich in einem Nein zu neuem Leben und zur Weiterentwicklung. Durch das Verschlingen der Kinder macht er alle neuen Entwicklungsimpulse zunichte. Alles was das alte bekannte System, die Tradition ablösen oder erneuern könnte, wird verschlungen und auf diese Weise unschädlich gemacht.

Planet der Angst

Aufgrund des beharrlichen Festhalten an Vertrauten und der Abwehr gegen jegliche Veränderung wird Saturn sehr schnell zur Quelle aller Ängste, die jedes zu starre Festhalten-Wollen an einer Kontinuität mit sich bringt. Durch das verbissene Festhalten möchten wir uns dem Fließen der Zeit und der Vergänglichkeit entziehen. Ist dies der Fall, so kommt aber alles zum Stillstand, was auch den Tod alles Lebendigen in uns bedeutet. Es entwickeln sich übertriebene Ängste, welche uns nicht mehr Leben lassen. Im Grunde genommen können wir uns dann gleich auf den Friedhof legen, denn es gibt nichts Schönes mehr im Leben.

Wir empfinden alles als schwer, mühsam, freudlos und wir sind gehemmt in allen unseren Handlungen aufgrund der Angst vor allen möglichen Gefahren, welche in Wirklichkeit gar keine sind. Dauert dieser Zustand längere Zeit an, so befinden wir uns auf den Weg in eine krankhafte Depression, wenn wir uns nicht damit auseinandersetzen und eine Veränderung bewirken.

Die positive Energie von Saturn, Vertrautes und Gelerntes zu bewahren kippt somit in eine „Angst vor dem Leben“. Ohne Saturn würde ein Kind immer wieder auf eine heiße Herdplatte fassen und sich schlimme Verbrennungen zufügen. Es macht also durchaus Sinn, dass wir Menschen aus unseren Erfahrungen lernen und gewisse Fehler eben kein zweites Mal machen. Ein Kind würde aber auch nie laufen lernen wenn es nach dem ersten Sturz, bei dem es sich vielleicht auch noch wehgetan hat, aus lauter Angst vor dem Schmerz es nicht mehr versuchen würde.

Zum Glück gibt es im Tierkreis einige andere Zeichen welche dieser Schattenseite von Saturn gegensteuern. Das ist zum Beispiel Mars, mit seiner ungebremsten Aktivität und Draufgängertum oder auch Merkur, welcher immer das Neue entdecken möchte und das Leben luftig leicht und spielerisch nimmt. Auch Pluto mit seinem Thema „Stirb und Werde“ gehört dazu. Jetzt wird auch deutlich, warum es wichtig ist, dass wir alle Tierkreiszeichen-Energien in unser Leben integrieren. Ansonsten entsteht eine Einseitigkeit und ein Ungleichgewicht und das ist nie gut. Hier gilt der Leitsatz: „Alles was nicht leben darf, was man verhindert und unterdrückt wird böse und richtet sich schlussendlich gegen einen selbst.“

Aufgabe und Verantwortung

Saturn vertritt die Meinung: „Die Welt ist ein Arbeitsplatz und kein Spielplatz!“ Er ist somit eine wichtige Energie für das Erwachsenwerden, das Herauswachsen aus einer kindlich-magischen Wunschwelt. Saturn gibt uns Orientierung in Raum und Zeit, den Koordinaten unserer Realitätsfindung. Er lehrt uns den Zusammenhang von Ursache und die Folgen daraus. „Du erntest was du säst“, alles was du tust hat Konsequenzen.

Allein das wir geboren wurden heißt für Saturn, dass wir noch etwas schuldig sind. Es bedeutet, dass es auf dieser Welt für uns noch etwas zu tun, eine Aufgabe, gibt. Leben bedeutet für Saturn Leben müssen und dafür Verantwortung zu übernehmen.

Saturn ist ein strenger Erzieher und unbestechlicher Kritiker. Er zeigt einem stets die eigene Unvollkommenheit auf. Er richtet seinen Fokus nicht auf das was schon getan ist, sondern auf das was noch zu tun ist, rein objektiv und ohne Wertung. Die Bewertung des Ganzen erfolgt ursprünglich nicht durch Saturn selbst, sondern vielmehr über unsere Wahrnehmung und das Gefühl was dabei in uns entsteht.

Wenn diese Energie überhandnimmt wirkt sie sich negativ auf unser Empfinden und unser Selbstwertgefühl aus. Es ist sehr demotivierend, wenn man immer nur Fehler aufgezeigt bekommt oder das was man noch nicht geschafft hat. Es ist überaus wichtig die Aufmerksamkeit auch auf das zu lenken was man geschafft und gut gemacht hat. Wird man aber immer nur gelobt, so hat das zur Folge, dass wir das als eine Selbstverständlichkeit ansehen. Wir müssen uns ja gar nicht anstrengen, wir werden ja sowieso gelobt. Ist dies der Fall, so bleiben wir unter unseren wahren Möglichkeiten und werden nie unsere vollen Potentiale entfalten. Aus diesem Grund kann uns Saturn auch ein wahrer, ehrlicher Freund sein. Er schenkt uns illusionslose Klarheit und demütige Einsicht in unsere Grenzen, wenn wir gelernt haben mit ihm angemessen umzugehen.

Saturn hilft uns aber auch Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Keine andere Energie kann besser eine Aufgabe übernehmen und diese diszipliniert und konsequent zu Ende führen wie Saturn. Er besitzt ein unheimliches, zähes Durchhaltevermögen und gibt nicht eher auf bis die Aufgabe erledigt ist. Alle Rückschläge erträgt er dabei ohne Murren aus einem ungeheuren Verantwortungs- und Pflichtgefühl heraus. Zufrieden ist Saturn erst, wenn er die Aufgabe perfekt erledigt hat.

Schattenseiten von Saturn

Die positiven und die Schattenseiten von Saturn liegen sehr nah beieinander. Was der eine noch als positiv oder ok empfindet, empfindet ein anderer schon als negativ. Saturn kann als die Diamantenschleiferei im Leben gesehen werden. Hier ist extremer Druck und Härte notwendig um wirklich einen schönen Diamanten herauszuarbeiten. Seine positiven Eigenschaften sind gleichzeitig auch seine negativen. Insbesondere bei Saturn gilt es das richtige persönliche Maß zu finden. Seine Härte und der Druck können uns zu Höchstleistungen und Perfektionismus bringen, aber wir können auch daran zerbrechen. Wir werden dann zu freudlosen Fronarbeitern nach dem Motto: „Tu was du willst, solange es keinen Spaß macht. Freude, Tanz und Leichtigkeit ist verboten. Nur was schwer, ernst und anstrengend ist, ist gestattet.“

Saturn sendet Botschaften wie z.B.:

  • Streng Dich an
  • Du musst
  • Du bist verantwortlich für
  • Du bist schuld
  • Du darfst nicht
  • Das ist verboten (warum auch immer, Saturn verdrängt was Tabus angreift)

Die Schattenseite von Saturn vermittelt, dass Liebe und Anerkennung verdient werden muss durch Arbeit, Leistung und Bemühen. Hier wird er zum „Niedermacher“, der einen mit Minderwertigkeitsgefühlen, Versagensängsten und Schuldgefühlen quält. Er vermittelt einem die Angst vor Misserfolg, nicht genug oder nicht liebenswert zu sein, die Angst vor Strafe oder die Angst vor der Rache der Götter.

Insbesondere die Religionen bedienen sich der letzteren zwei sehr gerne um Zucht und Ordnung in ihrem Sinne aufrecht zu erhalten. Religionen die in ihrem Ursprung grundsätzlich positiv sind und den Menschen Halt, Stabilität und Weisheit auch in schwierigen Situationen geben sollen, werden hier von Menschen und ihrem persönlichen Ego und Machtanspruch mit negativer Saturn-Energie, in ihrem Sinne, missbraucht. Dies ist aber weder im Sinne des jeweiligen Gottes noch im Sinne von Saturn, sondern einfach von Menschen auf Erden gemacht.

Weitere Schattenseiten sind Leistungszwang, Starrheit, Unbeugsamkeit, Verbissenheit, Verbitterung, Einsamkeit, völliger Mangel an menschlicher Herzlichkeit und verdrängtes Gefühlsleben, Gemeinheit, Sturheit, Engstirnigkeit, Verschlossenheit, Unversöhnlichkeit, Unerbittlichkeit.

Kraftbilder von Saturn

Positive Saturn-Vertreter sind grundsätzlich Menschen welche schon „harte Winter“ kennen gelernt haben, dadurch klar und illusionslos mit den Herausforderungen des Lebens umgehen können. Das sind zum Beispiel:

  • Der alte Zen-Meister
  • Der tibetische Mönch
  • Der Bergbauer/-bäuerin
  • Der Eremit
  • Der/die Weise
  • Der Großvater/die Großmutter
Großmutter
Die Großmutter hat in der Regel gelernt mit den Herausforderungen des Lebens klar und illusionslos umzugehen und kann ihren Enkeln Stabilität und Halt in jungen Jahren geben.

Saturn ist eine Energie der reinen Realität, der unvermeintlichen uns festlegenden Gesetzmäßigkeiten. Mit ihm wird alles Schicksalhafte und unausweichliche angesprochen, alles was wir nicht ändern können. Das klingt zunächst erstmal nicht so wirklich prickelnd. Aber Saturn gibt uns dafür auch die notwendige Hilfestellung um unsere Aufgaben im Leben zu bewältigen.

Saturn konzentriert alle Kräfte, er verdichtet, strukturiert, verlangsamt und reduziert auf das wirklich lebensnotwendige. Er ist die Kraft die uns hilft uns selbst treu zu bleiben und gibt uns die Bereitschaft uns auch schwierigen Aufgaben zu stellen. Er lehrt uns Demut und Ertragen und führt uns zu den tiefsten Wahrheiten und Erkenntnissen, insbesondere in Einsamkeit und Stille. „Was brauchst du eigentlich wirklich?“ ist eine saturnische Frage. Durch die Reduktion auf das Wesentliche und Notwendige führt er uns zur Weisheit und Zufriedenheit. Dies kann zunächst sehr schmerzhaft oder als Alleingelassen sein erlebt werden, denn Saturn ist auch der Herr des großen Schweigens, was Zurückgezogenheit bedeutet. Diese Sammlung in der inneren Stille ist aber sehr heilsam.

Das Haus in dem Saturn steht

Ist der Lebensbereich den wir am liebsten ganz streichen möchten. In den Themen dieses Lebensbereiches fühlen wir uns innerlich arm und wir stehen diesen zunächst argwöhnisch, kritisch oder verachtend gegenüber. Die Themen dieses Hauses sind aber auch die mit den größten Wachstumschancen und wir benötigen unser ganzes Leben diese zu erkennen, zu bearbeiten und in unsere Persönlichkeit zu integrieren.

Üblicherweise werden diese verschiedenen Themen zunächst von uns verachtet und nur an anderen Personen wahrgenommen. Oft handelt es sich dabei auch um Verhaltensweisen und „Verbote“ welche wir ungeprüft ob diese aktuell für uns noch gültig sind in unser Leben, aufgrund der Gesellschaft oder der Eltern, übernommen haben. Setzt man sich mit diesen wirklich auseinander, so erfolgt oft eine radikale Umkehr und das fast zwanghafte Ausleben (um jeden Preis) des zuvor verachteten Themenbereiches. Es dauert eine ganze Zeit bis wir wirklich eine gelöste und gelassene Umgangsform mit dem Problembereich und die Integration in unsere Persönlichkeit erreichen.

Meine persönliche Erfahrung mit Saturn

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass für Steinbock-betonte Menschen (Sonne, Mond, Aszendent im Steinbock oder starke Saturn Aspekte) sich diese Energie als völlig normal anfühlt. Auch alle anderen Erdzeichen, wie Stier und Jungfrau tun sich mit dieser Energie tendenziell leichter. Sie scheint irgendwie bekannt, völlig normal und notwendig – genauso wie sie eigentlich auch ist.

Ich persönlich bin vom Sternzeichen Löwe und vom Geburtshoroskop stark feuer- und luftbetont in den übrigen Zeichenstellungen. Auch wenn ich mich schon lang mit Saturn-Energie auseinandergesetzt und seine positiven Eigenschaften wirklich zu schätzen gelernt habe, war dieser Artikel eine harte Aufgabe für mich. Um einen Artikel zu schreiben muss ich mich immer selbst in die jeweilige Energie reinversetzen und sie fühlen. Und bei Saturn kam erst mal ein großer Seufzer und ein Durchschnaufen – oh je, jetzt wird alles erstmal sehr mühsam, schwerfällig und langsam. Ein hartes Geschäft ist das mit dem Saturn mal wieder und der Artikel hat auch dementsprechend lange gedauert bis er so war, dass mein innerer Saturn und Kritiker diesen für „ok“ befunden hat.

Wenn es dir ähnlich mit der Saturn-Energie geht, habe ich einen schönen Spruch dazu:

Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben ist Pflicht. Ich tat meine Pflicht, und siehe da, das Leben ward Freude. Rabindranath Tagore

Und wer Probleme mit Tradition, Gesetzt und Ordnung hat für das was Saturn steht, der sollte über nachstehenden Spruch mal nachdenken. Ich selbst habe diese Dinge früher auch eher als verstaubt, veraltet und überholt angesehen und mich dagegen generell und ganzheitlich aus Prinzip gewehrt. In allem steckt aber immer ein positiver Teil was übernommen werden sollte und ein Teil was erneuert und ersetzt werden muss. Diese Sichtweise hat mir dieser Spruch gegeben, welcher mir persönlich zu Saturn gut gefällt und den ich sehr gut annehmen kann:

Tradition ist nicht die Anbetung der Asche – sondern die Weitergabe des Feuers. Gustav Mahler

Saturn und Schuldgefühle

Zusätzlich kann ich dir auch einen sehr guten Onlinekurs mit vielen Übungen von Arne Tempel (echt-leben.com) empfehlen, wenn dich immer wieder Schuldgefühle quälen. Schuldgefühle kommen auch meist von negativer Saturn-Energie. Mal ganz ohne Astrologie. Ich habe diesen Kurs selbst durchgemacht und ich finde ihn sehr gut. Aber mach dir selbst ein Bild. Hier der Link zu dem Kurs „Jetzt mach ich mich frei“ von Arne.

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